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Der „Hexer aus der Fischhofgasse“ war von 1964 bis 1996 Masseur der violetten Kampfmannschaft und erlebte die glorreichen Siebziger- und Achtzigerjahre von der Betreuerbank aus mit. Am heutigen Mittwoch ging Schreitl im Alter von 96 Jahren von uns. Ruhe in Frieden!
©GEPA-Pictures
Dass er als Masseur einmal zur violetten Legende werden würde, das hätte sich der „Schurli“ bei seinem Amtsantritt 1964 wohl selbst nicht gedacht. Immer dann, wenn sich die Spieler vor Schmerzen krümmend am Rasen hin- und herwälzten, schlug seine Stunde. Unter tosendem Jubel der Fans rückte er mit Thermosflasche und Medizinkoffer aus, um dem Lädierten wieder in die Senkrechte zu verhelfen. Sobald Georg Schreitl das Feld im Laufschritt wieder verließ, wurde er mit „Schurli, Schurli“-Sprechchören bedacht.
Georg „Schurli“ Schreitl kam am 29. September 1929 in Wien zur Welt. Nach der Bäckerlehre heuerte er bei der Firma Anker an und absolvierte nebenher eine medizinische Massage-Ausbildung. Fortan hegte und pflegte er bei Wienerfeld, Rapid Oberlaa und dem WAC Waden aller Couleur. 1964 wechselte Schreitl, der früh morgens noch immer in der Backstube stand, zur Wiener Austria. Durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten wurde der damals einzige Masseur im Betreuerstab schon bald zum „Hexer der Fischhofgasse“. Sein hervorragender Ruf brachte ihm 1978 gar einen „Nebenjob“ im ÖFB-Team, wo er vier Jahre lang tätig war und 1982 die Weltmeisterschaft in Spanien miterlebte.
Georg „Schurli“ Schreitl stand sinnbildlich für Leidenschaft, Humor und eine ruhmreiche Ära nicht nur violetter, sondern österreichischer Fußballgeschichte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er glücklich im Kolpinghaus Favoriten, wo er mit seinen schönen und pointierten Geschichten eine Bereicherung für alle war. Am heutigen Mittwoch schlief er im Alter von 96 Jahren friedlich ein. Unsere Gedanken sind bei seinen Hinterbliebenen.