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Tradition | 07.03.2026

Austria-Legende Ernst Ocwirk wäre heute 100 geworden

Einer der größten Fußballer seiner Zeit würde heute seinen 100. Geburtstag feiern. Ernst Ocwirk, 1952 Weltfußballer und später Kapitän der Weltauswahl, holte mit Austria Wien zahlreiche Titel – als Spieler und als Trainer. 1980 verstarb Ocwirk viel zu früh im 54. Lebensjahr. Wir denken an dich, Ossi!

Ernst Ocwirk (2. v. l.) beim Spiel der Weltauswahl gegen den FC Barcelona am 30. September 1953

Ernst Ocwirk (2. v. l.) beim Spiel der Weltauswahl gegen den FC Barcelona am 30. September 1953

©Noske, J.D., National Archives / Anefo

Ernst Ocwirk kam am 7. März 1926 in Wien-Stadlau zur Welt und hatte seit frühester Kindheit nur Fußball im Kopf und im Herzen. Seine fußballerische Laufbahn startete er bei den Knaben des FC Stadlau und des Floridsdorfer AC, wo er als Mittelläufer, praktisch Spielgestalter, auf sich aufmerksam machte und großes Interesse auf sich zog. Mehrere Klubs wollten den Ossi, nur die Austria bekam ihn. Als Ablöse floss kein Geld, dafür errichtete die Austria dem FAC neue Kabinen und Sitzplätze.

Weltfußballer als Austrianer

Ein großartiger Deal, wie sich herausstellte: Ocwirk entwickelte sich zu einem der besten Spieler seiner Zunft, brillierte durch Ästhetik und Technik, sorgte mit seinen für die damalige Zeit ungewöhnlich zielgenauen Pässen über große Distanz für Staunen und war der Liebling des Publikums. Mit der Austria holte er in neun Jahren drei Meister- und zwei Cup-Titel, dazu wurde er 1952 von der französischen Fachzeitschrift France Football zum besten Fußballer der Welt ernannt – die wohl größte Einzel-Auszeichnung überhaupt. Dagegen wirkte die Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres 1951 beinahe schon nebensächlich, auch wenn der immer bescheidene Ossi das niemals so ausgedrückt hätte.

1953 und 1955 war er Kapitän der zur damaligen Zeit renommierten Weltauswahl, dazwischen erreichte er fast schon nebenbei mit dem legendären österreichischen Team den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Friedrich Torberg berichtete damals für den Wiener Kurier: "Wer vom Fußball nichts versteht und gerne etwas davon verstehen möchte, der beobachte eine Viertelstunde lang den Spieler Ocwirk, ausschließlich ihn, auch wenn er nicht am Ball ist."

Gott in Genua

Nach neun Jahren bei den Violetten übersiedelte Ocwirk nach Italien zur UC Sampdoria. In Genua nannten sie den Ossi dann "Il Dio", übersetzt also "Der Gott". Mehr muss man eigentlich nicht über diesen herausragenden Fußballer wissen. 1961, nach fünf Jahren in Italien, kehrte Ocwirk zur Austria zurück und gewann zwei weitere Meisterschaften sowie seinen insgesamt dritten Cup-Titel, ehe er seine erfolgreiche Karriere als Aktiver beendete.

Seine erste Station als Trainer war dann ab 1962 wieder die UC Sampdoria, die er bis 1965 coachte, nur um dann erneut zu seinen Veilchen zurückzukehren. Nach acht Titeln als Spieler gewann Ossi, der als harter und strenger Trainer bekannt war, drei weitere an der Seitenlinie. Erst den Cup, dann zweimal die Meisterschaft. 1971 führte er den 1. FC Köln ins Finale des DFB-Pokals.

Nachdem Ernst Ocwirk zwischenzeitlich die Admira coachte, sorgten ein Achillessehnenriss und die notwendige Operation für Lähmungserscheinungen und schließlich Multiple Skerlose, an der er mit nur 53 Jahren am 23. Jänner 1980, exakt 41 Jahre nach Austria-Legende Matthias Sindelar, verstarb. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 136), wo er seit 2006 gemeinsam mit seiner Frau Martha ruht.

2001 wurde Ocwirk posthum in die Austria-Elf des Jahrhunderts gewählt. Bis heute ist der Ossi unvergessen. Wir denken an dich!