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Die jährlich von der Football Club Social Alliance (FCSA) in Zusammenarbeit mit der Scort Foundation durchgeführte „Tandem Young Coach“-Ausbildung fand vom 29. April bis 3. Mai 2026 an der Sportschule Schöneck in Karlsruhe statt. Mit dabei waren 22 Teilnehmende, die in einem inklusiven Lernmodell zu Fußball-Trainer:innen für Menschen mit Behinderung ausgebildet wurden. Von Seiten der Veilchen war Lukas Pechacek als Tandempartner mit Young Coach Thomas dabei.
Das Projekt macht deutlich: Auch Menschen mit Behinderung verfügen über das Potenzial, als Trainer:innen tätig sein. Das Besondere ist der Tandem-Ansatz: Die Teilnehmenden durchlaufen die Ausbildung jeweils zu zweit – bestehend aus einer Person mit Behinderung (Young Coach) und einer Person ohne Behinderung (Tandempartner:in). Dies ermöglicht es beiden Parteien, voneinander zu lernen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Unter Anleitung eines erfahrenen Instruktor:innen-Teams der FCSA erarbeiteten sich die Tandems in theoretischen und praktischen Einheiten die Grundlagen der Trainingsplanung und -durchführung. Das Erlernte setzten sie am Ende der Ausbildung mit den lokalen Inklusionsmannschaften (SG Karlsruhe, Caritas Pforzheim und 1. CfR Pforzheim) um. Die Teilnehmenden kehren als qualifizierte Trainer:innen-Duos zu ihren Vereinen zurück, wo sie Trainingseinheiten für ihre jeweiligen Mannschaften leiten. In diesem Jahr waren vier Tandems aus den FCSA-Partnerclubs FC Basel 1893, Bayer 04 Leverkusen, FK Austria Wien und 1. FSV Mainz 05 sowie sieben Tandems, die aus den deutschen Landesverbänden von der DFL Stiftung und DFB-Stiftung Sepp Herberger ausgewählt wurden, vertreten.
Die Einbindung von Expert:innen mit Behinderung sollte den inklusiven Ansatz zusätzlich verstärken. Der Schwerpunkt der diesjährigen Ausbildung lag auf der Inkludierung von Menschen mit gelebter Erfahrung als Referent:innen. In Selbsterfahrungseinheiten wurden die Tandems für unterschiedliche Behinderungsformen sensibilisiert und erhielten praxisnahe Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten. So gab eine ehemalige Teilnehmerin – im Vorjahr noch selbst als Young Coach ausgebildet – einen eindrucksvollen Einblick in ihr Leben im Autismus-Spektrum und teilte persönliche Erfahrungen aus ihrem Alltag sowie aus ihrer Trainer:innentätigkeit.
In der Blindenfußball-Einheit mit Spielern der Bundesliga-Mannschaft des MTV Stuttgart konnten die Teilnehmenden nachempfinden, welche besonderen Anforderungen und Kommunikationsformen im Blindenfußball eine Rolle spielen. In beiden Einheiten profitierten die Tandems von Erfahrungen aus erster Hand und gewannen wertvolle neue Perspektiven für ihre eigene Trainingsarbeit.
Mit dem Ziel, den Inklusionsfussball weiter zu stärken und in die Fläche der etablierten Fußballstrukturen zu tragen, wurde die Ausbildung in Kooperation mit dem Badischen Fußballverband für alle Teilnehmenden als Fortbildungsmaßnahme (4 LE) anerkannt. Damit erhielten die Young Coaches eine offizielle Teilnahmebestätigung durch einen deutschen Fußball-Landesverband. Die gleichwertige Anerkennung der Leistungen von den Teilnehmenden mit und ohne Behinderung setzt ein weiteres starkes Zeichen für Inklusion.
Lukas Pechacek, Tandempartner
„Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie mein Young Coach aus sich selbst herausgekommen ist, Verantwortung übernommen hat, sich getraut hat, vor Gruppen zu reden und selbst Ideen eingebracht hat. Ich habe vor allem in der Flexibilität hinzugelernt – das BÄLLE-Prinzip hilft mir neue Aspekte in Übungen einzubringen und diese entsprechend an die Spieler anzupassen.“
Thomas, Young Coach
„Für mich war es total neu, die Grundlagen eines Fussballtrainings zu lernen. Jetzt verstehe ich die Sicht eines Trainers und weiss, warum man das eine so macht und das andere so. Auch das Reden vor Gruppen hat mich weitergebracht – das musste ich so bisher noch nie machen.“